Über uns
Kellerkind
Als ich Claudia Jansen und mein Mann uns nach einem Haus umsahen und endlich fündig wurden, war die Überraschung groß, als uns der Verkäufer fragte, ob wir auch noch ein Motorrad wollten, im Keller stünde eines. ich, die im Gegensatz zu meinem Mann einen Führerschein Klasse 1 besitze und leidenschaftlich gerne Motorrad fahre, war sofort Feuer und Flamme. Offensichtlich hatte der ehemalige Besitzer kein Interesse mehr daran und war froh auf diese Art das schwere Ding nicht aus dem Keller schleppen zu müssen. Nach der ersten Überraschung kam die zweite beim nächsten Rundgang durch das Haus. Das versprochene Motorrad entpuppte sich als Motorroller unbekannten Typs. Wie auch immer, wir hatten uns sofort in die schönen Formen des Fundstücks verliebt und beschlossen uns seiner anzunehmen. Und wenn sich erst einmal eine Beziehung zu so einem Ding einstellt, dann ergibt das eine das andere. So lernten wir Fritz H. kennen, einen ehemaligen Mitarbeiter der Firma Progress, der das Fundstück schnell als Motorroller Typ Progress 200 identifizierte und uns auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen sollte. Inzwischen hat unser Progress 200 einige Kuraufenthalte hinter sich (Bild in Galerie). Für die Schönheitskur war Georg R.(Lackierung) verantwortlich. Diejenigen, die seinen Lackierkurs besucht haben, konnten einen ersten Blick auf die fertigen Blechteile werfen. Kompliment. Ihr habt eine tolle Farbkombination gefunden.(Komentar einiger Vereinskameraden) Neben Georg sind noch andere Heidelberger zu erwähnen, die sich für den Aufbau des Rollers stark gemacht haben .
Allroundmechaniker Werner E.(ein Künstler in sachen Metal), Heinkelfreund Werner H. und DKW-Spezialist Jürgen G.
Nun sind wir gespannt, mit dem frisch restaurierten Motorroller die ersten Ausfahrt zu erleben.
****************************************************************
Die Motorroller der Marke Progress wurden zwischen 1948 und 1960 in unterschiedlichen Varianten gebaut. Bei unserem Exemplar handelt es sich um einen Roller mit 200 ccm aus dem Jahr 1956. Die Vorgängertypen hatten 175 ccm. Die Roller aus dem Progresswerk Oberkirch waren als Tourenfahrzeuge ausgelegt. Bei Motorrollerrennen haben die Progresse damals sehr gut abgeschnitten. 16“-Räder sorgten für erhabene Größe und gutes Handling. Zeitgenössische Tester rühmten ihren exzellenten Geradeauslauf und ihre sanfte Kraftentfaltung. Mit 95 km/h waren sie sogar für den Einsatz im Polizeidienst tauglich. Der Motor von Fichtel & Sachs mit 191 ccm und 10,2 PS fand seinerzeit auch im Messerschmitt Kabinenroller und im Fuldamobil Verwendung. Billig war ein Progressroller nicht. 1956 waren dafür 1.795 DM zu berappen.
Die Progresswerke Oberkirch nennen sich heute PWO. Sie wurden 1919 als Luftpumpenfabrik gegründet. Im Laufe der Zeit spezialisierten sie sich immer mehr auf Blechverarbeitung und Gerätebau. Durch gezielte Zukäufe ist PWO heute ein führendes Automobilzuliefer-Unternehmen. Viele Elektronikteile, die uns heute das Fahren angenehmer, die Technik aber unerklärlicher machen, kommen von PWO u. a. Airbagkomponenten.